Touristik-Blog

[Touristik-Blog] Das Wesen der Marke

von Cornelius Meyer am 18.08.2010

Es ist schon toll, was in den vergangenen Tagen und Wochen von verschiedenen Vertriebsorganisationen über das Thema Reisebüro-Marke geschrieben und gesagt wurde.

Dabei ist das meiste davon so fantasievoll, dass sich die Frage aufdrängt, ob hier tatsächlich Unwissenheit herrscht oder ob es gar gezielt darum geht, durch wohlklingende Plattitüden rund um den Markenbegriff den Systemen etwas mehr Bedeutung angedeihen zu lassen.

Immer häufiger liest man von Fernsehwerbung, geschärften Corporate Identities und neuen Logos – doch was ich wirklich vermisse, ist ein Hinweis auf das eigentliche Wesen einer Marke: die einzigartige und unverwechselbare Leistung.

So setzt die echte Markentechnik immer im Inneren eines Unternehmens an und verfolgt das Ziel, das spezifische – markante – Leistungsmuster eines Unternehmens zu versinnbildlichen. Eine Marke steht für ein Leistungsversprechen, das den Kunden eine immer gleichbleibende Erfüllung und Zufriedenheit garantiert. Und dieser Grundsatz gilt immer, egal, ob es sich um das Reisebüro an der Ecke oder um einen Weltkonzern wie Coca-Cola handelt.

Eine starke Marke ist nie ein Selbstzweck, sondern dient ausschließlich der Stabilisierung und Optimierung der Unternehmensergebnisse.

Eine Marke vermittelt Vertrauen in das Unternehmen und in die Sicherheit beim Kauf. Die Kunden wissen schon vor dem Kauf, was sie erwartet und dass sie das zufrieden stellen wird.

Das – und nur das – ist der Grund, weshalb ein Big Mac in Tokio genauso schmeckt wie an der Autobahnrastanlage Hartheim.

Und die Kehrseite: Ein einziger Ausrutscher genügt, und der gesamte Markenschuss geht nach hinten los!

Was aber bedeuten diese Fakten konkret für ein Reisebüro? Gibt es hier überhaupt die Notwendigkeit, überregional oder gar bundesweit eine identische Leistung zu garantieren – oder anders herum gefragt: Bringt das überhaupt etwas?

Zunächst einmal muss man sicherlich die Frage stellen: Was sind denn überhaupt die internen Leistungsfaktoren eines Reisebüros? Was unterscheidet Reisebüro A von Reisebüro B, und wo liegen besondere Stärken?

Solange die Mehrheit der Reisebüros (egal, aus welcher Organisation!) auf gleiche oder ähnliche Produkte zugreift, kann es doch in unserer Branche nur um die Einzigartigkeit der im Reisebüro handelnden Personen gehen. Egal, ob Kette, Franchise oder Kooperation: Es geht um Menschen und um deren Umgang mit Menschen. Es geht um die Individualität und das einzigartige Know-how eines Inhabers und seiner Mitarbeiter. Es geht um persönliche Kompetenz und angewandte Menschenkenntnis.

Solange also der Kern eines Reisebüros die Berater und nicht die Produkte sind, ist die identische Replikation eines Reisebüros aus sich heraus gar nicht möglich.

Was also verspricht man einer bundesweiten Kundschaft? Welche einzigartige Leistung – die dann in allen angeschlossenen Reisebüros in gleichem Maße und gleicher Form geleistet werden muss – kann eine Fernsehwerbung oder die sagenumwogene Corporate Identity denn überhaupt vermitteln? Was also – außer dicken Backen – bringen Fernsehwerbung, ein buntes Logo und ein neuer Slogan?

Vielmehr zeigt uns die ehrliche Auseinandersetzung mit der Markentechnik, welche Chancen und Potenziale im Bereich der eigenen, unternehmergetriebenen und regionalen Markenbildung noch schlummern: Es geht darum, das Vertrauen der Kunden im Einzugsgebiet zu besitzen und die Wiedererkennung des Unternehmens zu optimieren.

Dabei muss der erste Schritt sein, dem Vermittlungsprozess (also der originären Kernleistung) eine im relevanten Markt einzigartige und unverwechselbare Duftnote zu verleihen. Denn damit entfacht man einen deutlich effizienteren Markenbildungsprozess als durch einen anonymisierten Spot.

Und es ist und bleibt die Aufgabe der Vertriebsorganisationen, auf dieser Ebene Instrumente bereitzustellen und Unterstützung zu leisten – und die Kräfte und Mittel im Sinne der regionalen Strahlkraft der Mitglieder einzusetzen.

Cornelius Meyer ist Vorstand Marketing & Vertrieb der BEST-RMG Reisen Management AG in Filderstadt

Comments

Comment from Sebastian Winkelmann
Time September 17, 2010 at 8:06 am

In Bezug auf die “Kümmerer”-Kampagne hat sich mir persönlich weder das Reisebüro-Vertrauen gesteigert/reduziert, noch mein Handeln, Sicht oder Wiedererkennung geändert.

Ich denke die meisten Urlauber handeln hier schlicht und einfach pragmatisch nach Ihren Bedürfnissen (sei es nun Preis, direkten Ansprechpartner, schnelle Buchung im Internet, Rabatte o.ä.) und wissen auch ganz genau was sie wo bekommen.

Comment from Cornelius Meyer
Time Oktober 14, 2010 at 11:10 am

Ihre Wahrnehmung ist sicherlich richtig und entspricht meiner Sicht der Dinge. Die Kampagne des DRV wurde ins Leben gerufen, um die generelle Haltung der Verbraucher in Bezug auf die Reisebüros positiv zu beeinflussen – dieser Ansatz verdient durchaus Anerkennung, hat allerdings mit Markenbildung nichts zu tun. Man kann mit einer allgemein gehaltenen Kampagne kein nachhaltiges Vertrauen in eine gesamte Branche aufbauen, denn man kann keine nachweislich konkreten Vorteile kommunizieren. Dass man sich als Dienstleister um seine Kunden kümmert, liegt meines Erachtens in der Natur der Sache, sollte von daher selbstverständlich sein, ist als Botschaft für die Kunden wenig motivierend oder gar sinnstiftend und trägt wahrscheinlich nur wenig dazu bei, dass Kunden die eigene Einstellung in Bezug auf Reisebüros nachhaltig verändern.

Natürlich gibt es schwarze Schafe – aber Markenbildung funktioniert ja nicht, indem man eine vom Kunden vorausgesetzte Leistung in den Vordergrund stellt, nur weil manche Reisevermittler nicht dienstleistungsorientiert arbeiten. Das merkt der Kunde selbst sehr schnell und zieht seine Schlüsse daraus.

Viel wichtiger für die Markenbildung sind ganz konkrete Vorteile:

• Ein Reisebüro existiert seit mehreren Jahren oder schon in der zweiten oder dritten Generation.
• Ein Reisebüroinhaber hat in einem Schwerpunktland selbst gelebt oder macht regelmäßige Reisen dorthin.
• Ein Reisebüro zeichnet sich durch besonders gute Kontakte in die Zielgebiete oder zu den Anbietern aus.
• Ein Reisebüro schult seine Mitarbeiter regelmäßig – z. B. auch in Menschenkenntnis.
• Ein Reisebüro macht persönliche Termine – z. B. auch nach Feierabend.

Was auch immer, wichtig ist dabei, dass diese konkreten Mehrwerte bei jeder Leistungserfüllung zum Einsatz kommen und in immer gleicher bzw. ähnlicher Art und Weise an die Kunden kommuniziert werden. Dabei gilt: Je konkreter, desto besser – denn umso leichter können sich die Kunden daran erinnern.

Genau deshalb stelle ich auch die sogenannten Vertriebs- oder Endkundenmarken für Reisebüros in Frage, denn welche konkreten Botschaften sollen diese Organisationen oder Logos den Kunden des Einzelbüros denn vermitteln? Nochmal: Wir verkaufen keinen Big Mäc – der sowohl in Japan als auch in Berchtesgaden mit genau zwei vordefinierten Salatblättern zubereitet wird, sondern wir verkaufen Individualität.

Comment from Eddie
Time November 9, 2011 at 5:10 pm

Nette Hinweise! Ich werde mich damit mal genauer auseinander setzen! Bin gespannt auf weitere Posts!

Comment from Erich
Time November 14, 2011 at 5:48 pm

Hey, ich bin mal so frech und schreibe was auf der Seite. Sieht toll aus! Ich bin auch seit einige Zeit mit WordPress beschaeftigt steige aber noch nicht durch alle Funktionen durch. Deine Seite ist mir da immer eine gute Anregung. Weitermachen!

Write a comment